[Autorentage] Katharina Burkhardt - "Ebbe und Glut"



"Ebbe und Glut"


Hallo meine Lieben :-)

Heute ist der 4 Tag unserer Autorentage mit Katharina Burkhardt <3

Heute stelle ich euch das Buch "Ebbe und Glut" vor.



Klappentext 

Mias Leben steckt fest. Erst ist ihr Mann weg, dann der Job. Und das alles kurz vor ihrem 40. Geburtstag. Doch dann stößt sie in einem Magazin auf eine Kontaktanzeige. Da sucht ein Mann gegen Geld eine Frau für sexuelle Dienste. Mia ist schockiert. Und dennoch ist diese Anzeige seit Langem das Einzige, wofür sie sich begeistern kann.
Arthur ist ein Ekel. Arrogant, kalt und herablassend. Mia mag diesen widerlichen Anzugträger nicht. Gleichzeitig ist sie von seiner Ausstrahlung fasziniert. Als Mia sich auf Arthur einlässt, gerät ihr ganzes Leben in Bewegung.



Buchanfang

Mia sah die Anzeige eher zufällig. Auf der Suche nach dem Kinoprogramm durchstöberte sie die Webseiten des Szene-Magazins und blieb aus Neugier bei den Kontaktanzeigen hängen. Da suchte ein Paar eine Gespielin für heiße Stunden zu dritt. Ein Mann wünschte sich eine Partnerin für eine fesselnde Beziehung. Ein Jüngelchen wollte von einer reifen Frau entjungfert werden.

Mia fragte sich, was für Menschen solche Anzeigen aufgaben. Waren das alles Verrückte? Oder moderne Abenteurer, auf der Suche nach einer Erfüllung, die sie sonst nirgends fanden?

»Blow-Job zu vergeben«, stand irgendwo dazwischen. »Sie blasen. Ich genieße und zahle. Mehr nicht.«

Mehr nicht? Was sollte das heißen – mehr nicht? Gab es nicht mehr als Blasen? Durfte die Frau nicht genießen? Wie stellte dieser Kerl sich das vor? Ich genieße und zahle.

Lächerlich, was Männer sich einbildeten!

Diese ganzen seltsamen Wünsche irritierten Mia. Sie hatte noch nie das Verlangen verspürt, sich mit einem wildfremden Mann zum Sex zu verabreden. Aber sie hatte das auch nicht nötig. Sie war glücklich verheiratet.

Gewesen, korrigierte sie in Gedanken und bemühte sich, den feinen Stich in ihrer Brust zu ignorieren. Sie war glücklich verheiratet gewesen - bis sich ihre Ehe innerhalb einer einzigen Minute als Lüge entpuppte. Seitdem war nichts mehr in ihrem Leben so wie früher. Trotzdem war Mia längst nicht so verzweifelt, um sich auf eine dieser Anzeigen zu melden. Sie schüttelte den Kopf und klickte zurück zum Kinoprogramm. Aber es lief kein Film, der sie interessierte.

Blow-Job zu vergeben - immer wieder kam ihr der Satz in den Sinn. Seltsam. Was war daran so faszinierend?

Sie zog sich ihren Mantel an und ging spazieren. Ein wintergrauer Himmel hing über Hamburg, der Ostwind war eisig. Das Wasser der Elbe schlug gegen die Steine an der Uferböschung. Nur wenige Spaziergänger waren unterwegs.

Mia steckte die Hände in ihre Manteltaschen und sah einem großen Hund hinterher, der über den Strand rannte. Das Wetter deprimierte sie. Ihr ganzes Leben deprimierte sie. Frank hatte sie sitzen lassen, ihren Job in einer Werbeagentur hatte sie verloren, der Roman, der ihr Ruhm und Geld bringen sollte, verstaubte in der Schublade, und in diesem Jahr drohte auch noch ihr vierzigster Geburtstag.

Was für ein Albtraum!

Blow-Job, dachte sie und kostete die Worte auf ihrer Zunge, gab dem heimlichen Sehnen Raum, das sich in ihrem Bauch ausbreitete. Sie hätte auf einen Schlag einen Job und einen Mann. Mach dich nicht lächerlich, schalt eine verächtliche Stimme in ihr, das wäre doch kein Job. Du wärst eine Hure, weiter nichts. Es wäre ein Abenteuer, ein Experiment, ein wenig Ablenkung im öden Alltag einer arbeitslosen Singlefrau, schmeichelte ihr eine andere Stimme.

Ein Mann kam ihr entgegen, groß und gut aussehend. Was, wenn er es wäre? Ihre Augen verfingen sich eine Sekunde lang ineinander. Mia hielt den Atem an, ihr Herz setzte einen Schlag lang aus, dann war es vorbei. Der Mann pfiff nach dem Hund, der zwischen den Steinen an der Uferböschung herumschnüffelte. Mia drehte sich um und ging heimwärts.


Prolog

Der Jogger legte ein schnelles Tempo vor. Er spürte die kühle Salzluft tief in seinen Lungen, während er den Strand entlang rannte. Die Flut setzte langsam ein, in kleinen Rinnsalen suchte sich das Wasser seinen Weg durch den Sand. Es spritze unter den Schuhen des Läufers auf und hinterließ sandige Flecken auf seinem Shirt. Er spürte die Energie seines Körpers, die Kraft seiner Beine, die ihn mühelos vorwärts trugen. Ein großes Glücksgefühl erfasste ihn. Er hätte ewig so weiterlaufen mögen.

Auf der Höhe des Badestrandes tauchte zwischen den Strandkörben eine Frau auf, die ebenfalls joggte. In bedächtigem Tempo kam sie direkt auf ihn zu. Ihre dunklen Haare hatte sie straff zu einem Zopf zusammengebunden, unter ihrer Sportkleidung zeichnete sich ein schlanker, hochgewachsener Körper ab.

Der Mann lächelte ihr zu. Als sie sein Lächeln erwiderte, sah er, wie schön sie war. Er drehte sich noch einmal nach ihr um. Zu seiner Freude schaute sie ihm ebenfalls hinterher. Da lachte er, breit und spitzbübisch.

Sie sah ihn bei den Pferden wieder. Der große Mann mit den dunklen Haaren fiel ihr sofort auf. Er war in Begleitung einer Frau, die mit starkem Akzent sprach. Als sie auf dem Weg durchs Dorf Richtung Strand davon ritten, blieb er am Hof zurück und machte Fotos.

Heiterkeit umgab sie. Und Zufriedenheit. Sie saßen zusammen und lachten, eine Gruppe von Menschen, die sich zufällig im Urlaub begegneten und die gemeinsame Zeit genossen, als gäbe es kein Davor und Danach. In wenigen Tagen würden sie alle wieder in ihr Alltagsleben zurückkehren, in dem sie nichts miteinander verband. Und doch würden sie ein wenig von diesem Urlaub für immer behalten, winzige Bilder und Bruchstücke von Empfindungen. Erinnerungen an Gesichter, an ein Lachen, an gemeinsame Ausritte und gemeinsames Essen. Manche der Erinnerungen würden erst Jahre später wieder auftauchen und an Bedeutung gewinnen.

Dann, wenn das eigene Leben sich weiter gedreht hatte, wenn diese Reise in einem ganz neuen Licht erschien.

Als sie ihn verließ, nahm sie fast sein ganzes Leben mit: seine Hoffnungen und Träume, seine Sehnsüchte, sein Glück, seine Liebe. Seine Zukunft und seine Vergangenheit. Seinen Körper. Vor allem aber nahm sie sein Herz mit.

Was zurückblieb, war nicht Leben und nicht Tod. Es war ein seltsames, finsteres Nichts, das atmete ohne Herzschlag, weinte ohne Tränen, lebte, ohne zu empfinden. 



Textstellen

Damit ihr noch einen besseren Eindruck von diesem tollen Buch bekommt, gibt es nun 2 Textstelle für euch, die Lust auf mehr machen sollen ;-)

Textstelle 1

»Können Sie sich das denn mit mir vorstellen?«, fragte sie unsicher.

Ein flüchtiges Lächeln huschte über Arthurs Gesicht, ohne seine Augen zu erreichen. »Natürlich kann ich das. Sie sind eine attraktive Frau.« Mia freute sich schon über das Kompliment, als er hinzufügte: »Außerdem bin ich nicht sehr anspruchsvoll, ich habe schließlich keine große Wahl.«

Mias Freude schlug augenblicklich in Ärger um. Was für ein unverschämter Kerl! Glaubte der, er könne sich alles erlauben, bloß weil er Geld hatte?





Textstelle 2

Schweigend standen sie nebeneinander und beobachteten das Chaos, das dieses plötzliche Unwetter ausgelöst hatte.

»Ja, also, was machen wir dann jetzt?«, fragte Mia ratlos.

Arthur war genauso unschlüssig und hilflos wie sie.

Endlich fragte er: »Wie wär's mit Essen? Hast du Hunger?«

Essen war eine großartige Idee! Da waren sie beide beschäftigt und nicht gezwungen, miteinander zu reden. Denn wer weiß, wie lange dieses Unwetter anhalten würde.

»Essen ist gut«, sagte Mia. »Was gibt deine Küche denn so her? Hummer? Kaviar?«

Arthur war irritiert. »Darauf hast du Appetit?«

»Nein, überhaupt nicht. Ich dachte nur, dass sich die Leute in deinen Kreisen dieses Zeug reinstopfen wie andere Leute Pizza.«

Arthur lachte. Es war ein überraschend jungenhaftes, fröhliches Lachen, das ihn zu einem völlig anderen Menschen machte. »Ich verrate dir ein Geheimnis: Es gibt in meinen Kreisen auch Leute, die sich nicht an die Spielregeln halten. Ich zum Beispiel. Ich hasse alles, was mit Fisch zu tun hat.«

Er ließ sie vor sich die Treppe hinauf gehen. Mia sah sich in seiner nagelneuen Küche um, in der es an nichts fehlte.

»Benutzt du das auch alles?«, fragte sie mit einem Blick auf blitzende Messer, Töpfe und Pfannen.

Zu ihrer Verblüffung antwortete Arthur: »Ja, gewiss, ich koche oft.«

Mia hatte Mühe, sich Arthur am Herd vorzustellen, diesen Mann, der wahrscheinlich sogar in seinen Maßanzügen schlief und den Eindruck erweckte, als würde er sich nicht nur beim Sex ständig von Frauen bedienen lassen.






Charakterbeschreibungen

Damit ihr Mia und Arthur besser kennen lernt, hat die liebe Katharina eine ganz tolle Charkaterbeschreibungen für euch erstellt :-)

Mia Sommer





Arthur Kessler






Interview

Ich hatte auch Gelegenheit Mia und Arthur zu einem Interview zu treffen, wo sie mir nur für euch ein paar Fragen beantwortet haben :-)





Ich hoffe euch hat der Tag genauso viel Spaß wie mir gemacht :-)

Morgen geht es weiter mit einem ganz tollen Gewinnspiel <3


-Bookbutterfly

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